Bericht über unsere Reise nach St. Petersburg vom 3.7. bis 9.7.2oo3

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3.7.

Abfahrt 12 Uhr bei Traudl Richtung Flughafen Düsseldorf. Mit der Iljuschin von Aeroflot fliegen wir nach Moskau. Da wir dort nur 2 Std. Aufenthalt haben verhandelt Wolfgang mit dem Taxi-Menschen wegen der Fahrt zum nationalen Flughafen. Wir zahlen 2o Euro pro Nase für ein Taxi, das nicht den Eindruck macht dass es uns auch rechtzeitig abliefert. Ich habe Angst eine Vergiftung zu bekommen und hänge meinen Kopf zum Fenster raus. Wir schaffen unsere Maschine nach Petersburg, ein kleiner Flieger ca. 8o Personen. In Petersburg erwarten uns Elisabeth, eine Studienfreundin von Waldemar unserem sibierischen Freund, und Jakob unser Gastgeber. Mit seinem Jeep fahren wir ca. 25 km nach Gatschina. Elisabeth (Lisa) und Jakob stammen aus einem Dorf 70 km von Omsk in Sibirien. Die Vorfahren der Beiden sind aus Deutschland
ausgewandert, sind Menoniten und als Dorfgemeinschaft zusammengeblieben. Jakobs Frau Olga stammt aus Petersburg, sie hat für uns Essen vorbereitet als wir nach 24 Uhr Ortszeit vom Flughafen kommen. Es ist noch hell und warm, wie ein bedeckter Himmel bei uns. Es wird die ganze Nacht nicht dunkel.


4. 7.

Heute haben wir ausgeschlafen, nach 9 Uhr erst gefrühstückt. Spiegelei mit Speck, Brot , Fleisch, Käse und Honig, dazu leckeren Tee. Um 10.30 Uhr steht eine Taxe vor der Tür, wir starten nach Petersburg, es ist warm, die Sonne scheint, Jacken brauchen wir nicht. An der Festung werden wir abgesetzt und sehen uns die Anfänge von Petersburg an. Danach bringt uns das Taxi zu einem Lokal in der Nähe des Zirkus wo wir Ente essen. Das Lokal ist sehr schön mit Bildern von Artisten , Clownmasken usw. geschmückt. Von hier spazieren wir zur Christi-Auferstehungs-Kirche, die Zar Alexander II. zu Ehren seines ermordeten Vaters erbaut hat. Die Bilder aus Mosaiken in der Kirche haben mich sprachlos gemacht, wunderschön. Von dort fahren wir mit der Taxe zurück nach Gatschina und sind 2o.3o Uhr zu Hause. Olga hat schon Abendessen fertig, danach gibt es Wodka und Bier. Da es wieder nicht dunkel wird gehen wir spät zu Bett. Lisa hat den Taxi-Fahrer des ersten Tages abbestellt weil er uns gerupft hat. Für den Tag 130 Euro, die Stunden die er gestanden und gewartet hat genauso abgerechnet wie Fahrstunden. Der Fahrer ist beleidigt, wollte die Woche mit uns das große Geld machen, aber Lisa lässt nicht mit sich reden. Lisa ist Lehrerin und Schulleiterin in der Nähe von Omsk, sie ist mit einem Letten verheiratet, hat eine Tochter und einen Sohn und spricht perfekt deutsch.


5. 7.

Nach dem Frühstück fahren wir heute nach Peterhof, ca. 50 km von Gatschina. Jakob hat den Fahrdienst übernommen. Zuerst spazieren wir durch den weitläufigen, wunderschönen Park mit herrlichen Springbrunnen. Der Park geht vom Schloss runter bis ans Baltische Meer wie die Russen sagen, ich kenne aus dem
Erdkundeunterricht die Bezeichnung Finnischer Meerbusen. Es kommt ein Boot nach dem anderen aus Petersburg an, viele Menschen tummeln sich hier. Nachmittags zieht ein Gewitter auf, wir schaffen es gerade vor dem großen Regen ins Schloss zu kommen. 14.30 Uhr Führung durch riesige prachtvolle Säle mit
herrlichen Gemälden, wunderschönen Seidentapeten, schöne Möbel mit Intarsien. Besonders schön sind auch die herrlich verlegten Parkettböden. Nach der Führung warten wir noch eine Zeit im Schloß, es regnet in Strömen und wir haben keinen Schirm dabei. Als der Regen nachlässt gehen wir zu dem Treffpunkt wo Jakob uns abholt. In Gatschina hat Olga das Abendessen fertig, wir sind ganz schön hungrig. Es schmeckt wie immer sehr gut. Um 20.30 Uhr fährt Jakob mit uns in eine öffentliche Sauna. Die Sauna ist so eingerichtet, dass 3 - 4 Leute Platz haben.Ein Aufenthaltsraum mit Couch, Tisch usw.,ein 3x 3 m Tauchbecken, eine Sauna mit 4 Plätzen, eine Dusche und eine Toilette, alles sauber. Von außen sieht es nicht einladend aus.

6. 7.

Heute ist Sonntag, das Wetter weiß nicht was es will, es ist bedeckt aber warm. Heute wollen wir uns Gatschina ansehen. Zuerst spazieren wir zu einem Jagdschloß und haben eine Führung. Dann fahren wir in Richtung Schloss, durch den Schlosspark schlendern wir zu dem riesigen von Pavel gebauten Schloss. Hier
ist es nicht so gepflegt wie in Petersburg, vielleicht wenn Gatschina 300 Jahrfeier hat. Auf unserem Gang durch den Park überrascht uns der Regen, die Schirme sind in Jakobs Auto. So werden wir leicht nass und fahren zurück zu unserem Quartier. Es ist 15 Uhr, Olga bereitet das Essen vor, eigentlich sollte gegrillt werden aber das wird jetzt nichts. Inzwischen ist Kaffeezeit, Traudl hat sich hingelegt. Olga, Lisa, Wolfgang und ich spielen "Dummkopf", ein für einen Nichtkartenspieler wie mich ziemlich kompliziertes Spiel. Zuerst spielen wir eine Stunde draußen, dann fängt es wieder an zu regnen und wir spielen drinnen weiter. Vollständig begriffen habe ich das Spiel nicht, ich bin wohl ein "Dummkopf".

7. 7.

Heute müssen wir mit dem Taxi zuerst zur Polizei in Gatschina, bisher hat Lisa noch keine Stelle gefunden, wo wir unseren Anmeldestempel bekommen, den wir in Moskau bei der Ausreise brauchen. Wir fahren also um 9.30 Uhr zur Polizei, Olga ist schon da, hat sich von der Arbeit fortgestohlen weil sie als Gastgeberin dabei sein soll. Lisa und Olga versuchen in das Büro zu kommen, die Tür wird ihnen vor der Nase zugemacht. Dann kommt eine junge Frau heraus und Lisa versucht sie aufzuhalten und eine Auskunft zu bekommen, keine Chance. Nun will Lisa es in Petersburg versuchen. Es stehen dort auch noch einige andere Menschen, denen es ähnlich geht, wir sind ziemlich geschockt wie mit den Bürgern umgegangen wird. Sie warten geduldig, regen sich scheinbar nicht darüber auf. Also hält Lisa Ausschau nach einem Taxi und hält eines an das ok aussieht. Ein junger Mann fährt uns für 300 Rubel (340 Rubel - 10 Euro) nach Petersburg und soll uns an der Ermitage absetzen, im Vorbeifahren sehen wir dass dort geschlossen ist. Also weiter zur Isaak-Kathedrale, hier kaufen wir uns Eintrittskarten, wir müssen uns nicht anstellen, als Ausländer bezahlen wir der Dreifache. Während wir die Kathedrale besichtigen rennt Lisa los und klappert 5 Hotels ab wegen des Stempels. Erst im 5. Hotel kann sie ein Mädchen an der Rezeption überreden , für 1300 Rubel (natürlich in die eigene Tasche) die gewünschten Stempel zu geben. Also Lisa im Dauerlauf zurück, wir warten schon an der Kathedrale. Bei ihrer Aktion hat Lisa in Erfahrung gebracht, dass wir nur an diesem Tag noch eine Möglichkeit haben das Bernsteinzimmer zu sehen. Wir müssen uns sofort entscheiden dann fährt uns ein Mercedes - Kleinbus nach Puschkin und führt uns einer Gruppe zu die dort schon wartet. Man hat nur als Gruppe , die 1 Woche vorher angemeldet ist, die Möglichkeit das Bernsteinzimmer zu besichtigen. Der Andrang ist riesengroß. Also fährt uns eine Taxe zu dem Treffpunkt, 10 Minuten wollten die warten, wir zahlen l35 Euro und schon fährt der Kleinbus mit uns die ca. 15 km nach Puschkin zum Katharinen-Palast. Der Fahrer schleppt uns im Eiltempo an riesigen Warteschlangen vorbei zu der Gruppe, die an einem Nebeneingang auf uns wartet, Die Führung geht durch mehrere Räume des Schlosses zu dem Höhepunkt Bernsteinzimmer, es ist überwältigend. Man kann es mit den Bildern im Fernsehen nicht vergleichen. Leider kann man nicht so lange drin bleiben wie man möchte. Ich habe nicht auf die Uhr gesehen, max. 10 Minuten eher weniger. Trotzdem sind wir glücklich dass wir die Möglichkeit haben, am nächsten Tag ist geschlossen und dann hätte es nicht mehr geklappt. Wir machen noch einen kleinen Spaziergang durch den Park des Schlosses und sehen uns das Schloss von außen an, es regnet leicht. Mit dem Kleinbus fahren wir zurück Richtung Petersburg, Der Fahrer soll uns an der Abzweigung nach Gatschina absetzen, unterwegs wird gehandelt und schließlich geben wir noch 20 Euro drauf und er fährt uns
nach Gatschina (20 km extra ). Olga hat uns noch nicht erwartet, das Abendessen ist noch nicht ganz fertig. Es gibt Bratkartoffel, Fisch und Salat. Zum Nachtisch Quarkpfannekuchen, sehr lecker. Nun können wir den letzten Tag in Petersburg in Ruhe angehen, jetzt spielen wir erst einmal "Dummkopf"

8. 7.

Heute morgen spazieren wir mit Olga durch das Dorf bis zur Kreuzung in Gatschina. Olga zeigt uns einen Fussweg und als wir im Taxi sitzen geht sie nach Hause. An der Haltestelle stehen viele Leute, es ist fast eine
Schlacht um ein Auto. Schließlich hält ein Mann milt einem fast neuen Wolga, der nach Petersburg will und nimmt uns für 300 Rubel bis zum Winterpalast mit. Heute nieselt es, es sind nur 15 Grad. An der Ermitage stehen lange Schlangen. Lisa geht mit uns zum hinteren Eingang wo nicht so viele Menschen stehen und
verhandelt mit dem Wächter. Der macht einen Preis, steckt sich das Geld ein und bringt uns durch die Sperre.
Irgendwie bekommen wir auch noch ein paar Eintrittskarten, haben ein falsches Datum, aber wenn man drin ist fragt niemand mehr nach den Karten. Wir hören gleich am Eingang rum und schließen uns einfach einer Gruppe von Deutschen mit Führerin an. Es erschlägt einen wenn man in die prunkvollen Räume kommt .
Deckenmalereien, Wandmalereien, herrliche Türen. Gemälde alter und neuer Meister. Originale von allen berühmten Malern Rembrandt, da Vinci, Rubens, Monet usw. Wann hat man schon einmal die Möglichkeit die Werke der Maler im Original zu sehen. Von ca. 12 bis l6 Uhr halten wir uns in der Ermitage auf und
haben nur einen Teil der Kunstwerke gesehen. Als wir rauskommen müssen wir den Schirm aufspannen. Wir spazieren über den Schlossplatz durch das große Tor Richtung Newski-Prospekt. Hier sind Tausende Menschen unterwegs, wir suchen einen Geschenkeladen. Von dort gehen wir Richtung Metro, sehen uns noch kurz die Kasan-Kathedrale an. In der Metro schieben wir uns mit Tausenden Richtung Rolltreppe, fahren tief in den Untergrund. Dann geht es schnell in die Metro, aufpassen dass alle reinkommen, es geht unheimlich schnell. Ungefähr 6 Stationen nfahren wir, dann wieder schnell raus , wir sind jetzt am Stadtrand von Petersburg. Jetzt geht die Jagd nach einem Taxi wieder los. Schließlich hat Lisa jemand angehalten der nach Gatschina fährt, nicht so bequem wie heute morgen im Wolga, aber wir kommen für 150 Rubel nach Gatschina. Als wir aussteigen merkt Wolfgang dass seine Geldbörse weg ist und erinnert sich an einen jungen Drängler in der Metro. Was solls, nicht zu ändern. Olga hat eine leckere Hühnersuppe fertig, danach gibt es Wurst , Brot und Salat, zum Nachtisch Eis. Und natürlich zum Essen Wodka. Nun geht es ans Packen, es ist schon 21 Uhr, um 5.50 Uhr geht unser Flugzeug zurück.

Nach unserer tollen Reise im vorigen Jahr mit Waldemar an den Baikalsee hatten wir uns auf die Tage mit ihm in Petersburg gefreut und waren enttäuscht als er leider verhindert war. Mit Lisa hat er uns eine Vertretung geschickt die uns begeistert hat. Sie hat sic h immer bemüht dass wir möglichst viel sehen, war immer fröhlich und guter Dinge. Wir haben viel Spaß miteinander gehabt und hoffen auf ein Wiedersehen, vielleicht in Sibirien.

Christine Klluth

Reiseanbieter: Sibtours.com