St. Petersburg 1751-1800

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Joachim Kästner. Katharina II auf dem Balkon. 1760

Unter der 20-jährigen Regierungszeit Elisabeths mauserte sich Sankt Petersburg zu einer Großstadt euopäischen Zuschnitts. Die Vorliebe und das Interesse der Zarin für Frankreich führten dazu, dass französische Sitten und Umgangsformen mit wachsender Beliebtheit den russischen Adel erfreuten. Weiterhin erreichte der sogenannte Petrinische Barock seine höchste Blüte. Die beiden bedeutendsten Vertreter dieses Stils sind Francesco Bartolomeo Rastrelli und Sawwa Tschewakinski.

Bartolomeo F. Rastrelli, dem die Stadt einige ihrer schönsten Bauwerke verdankt, verstand es mit einer besonderen Kunst, westeuropäische und russische Bauformen in Verbindung zu bringen (siehe Smolnij-Kathedrale). Die Bauten prägten den St. Petersburger Barock.

Auf das Jahr 1754 ist der Baubeginn von Rastrellis Winterpalast zurückzuführen.

Thomas Malton. Die Akademie der Künste. 1789

1757 gründete die Zarin die berühmte „Akademie der Künste“, eines der größten Gebäude der Stadt, in dem bereits seit über 240 Jahren Maler, Bildhauer und Architekten ausgebildet werden.

Trotz der Tatsache der unzähligen Liebesaffären hatte Elisabeth keine Kinder und übergab die Krone an ihren Neffen, Karl Peter Ulrich von Schleswig-Holstein-Gottorf. (Enkel Peter des Großen)

Leider erlebte Elisabeth nicht die Fertigstellung des neuen Winterpalastes von Rastrelli 1762. Während dem Bau quartierte sich der Zarenhof in einem provisorischen Holzbau auf der „Wiese der Zarin“, dem heutigen Marsfeld, ein.

In dem Winterpalast, dem Zarenschloss, in dem heute die Eremitage untergebracht ist, befindet sich eine der umfangreichsten Kunstsammlungen der Welt.

Im Jahr 1761 nahm Peter III. die Thronfolge an. Er regierte nur 6 Monate lang. Während dieser kurzen Regierungszeit, machte er sich durch seine Abneigung gegen alles Russische schnell unbeliebt. Peter III. wurde somit kurz darauf von der kaiserlichen Garde entthront, die mit seiner deutschen Gemahlin diesen Staatsstreich geplant und durchgeführt hatte. Er wurde entmachtet und später umgebracht.

Das politische, ökonomische und kulturelle Zentrum Russlands

1762 bestieg die Frau Peters des III., die einstige Prinzessin Sophie Auguste von Anhalt-Zerbst als Katharina II., oder auch Katharina die Große genannt, den Zarenthron. Mit der Thronbesteigung Katharinas brachen für Russland ruhmreiche Zeiten an. Katharina II. fühlte sich als legitime Nachfolgerin Peters des Großen, dem sie ein monumentales Denkmal setzen ließ, den „Ehernen Reiter“. Sie vertrat in gewissem Maße die Politik Peters des Großen, nur nicht mit solch harten Methoden wie er. Stattdessen setzte sie auf die Aufklärung des Volkes. Sie stiftete zahlreiche Schulen und Universitäten und förderte die Wissenschaft und die Künste, für die sie sich selbst begeisterte.

So stiftete Katharina II. 1764 das Smolnij-Institut, die erste staatliche Schule in Russland für adlige Mädchen. Es wurden 25 weitere akademische Einrichtungen in Russland unter Katharina II. gegründet.

1770 fanden die ersten öffentlichen Kunstausstellungen in der Akademie der Künste statt.

Ende des 18. Jahrhunderts glänzte St. Petersburg nicht nur als politisches und ökonomisches Zentrum Russlands, sondern ebenso als kulturelles.

Noch zu Lebzeiten der Zarin, im Jahr 1773, wurde im Garten vor dem Alexandrinsky-Theater ein Denkmal für Katharina II. enthüllt.

Wassili Perow. Die Verurteilung des J. Pugatschow. 1875

Der Anführer der Kosaken Pugatschow, der sich selbst als „dem Tode entronnener Peter III.“ ausgab,  wurde 1775, hingerichtet. Er stellte für Katharina II. die größte Gefahr in ihrer Regierungszeit dar. Ein großer Bauernaufstand, der sich ihm anschloss, wurde blutig niedergeschlagen.

Auf dem Lande wurde die staatliche Leibeigenschaft eingeführt und die Situation der von Privatleuten gehaltenen Leibeigenen etwas verbessert.

Russische und europäische Kultur trafen in Sankt Petersburg aufeinander. Immer mehr Mitglieder der Aristokratie studierten im Ausland und lernten bedingt dadurch Fremdsprachen, während der Rest Russlands damit nicht mithalten konnte.

Der Eherne Reiter

1782 wurde Falconets Statue, der Eherne Reiter, enthüllt.

Unter Katharina II. begann der Ausbau St. Petersburgs im klassizistischen Stil und die Stadt wuchs zu einer höfischen Metropole heran, die an Prunk und Eleganz selbst Paris hinter sich ließ. Der klassizistische Baustil hatte den Barock abgelöst. Große Architekten dieser Zeit wie B. Rastrelli, A. Rinaldi, J.B. Vallin de la Motha, Z. Satarow, G. Quarendhi, A. Sacharow, A. Woronichin erschufen aus dem ursprünglichen Sumpfgebiet allmählich ein Venedig des Nordens.

Katharina II. ernannte Französisch zur Hofsprache. Sie war der festen Überzeugung, dass Autokratie die einzige mögliche Regierungsform war. In  ihrer Regierungszeit erfuhr Russland das goldene Zeitalter des Adels, während in Frankreich 1789 die „Französische Revolution“ anbrach. Dies versetzte die Zarin in Furcht und Schrecken und rief in ihr einen Wandel hervor. Aufgrund dessen änderte sich ihre Innenpolitik in ihren letzten Lebensjahren. Erstmals kam es nun zur massiven Verfolgung von Intellektuellen. Katharina II. ließ jeden verbrennen, der Kritik an der Leibeigenschaft ausübte.

Das Fenster nach Europa schließt sich

Unter Katharinas II. Herrschaft dehnte sich das russische Territorium ganz erheblich aus. 1768 zog Russland gegen seinen Todfeind, die Türkei, in den Krieg und gewann drei Jahre später neue Errungenschaften am Schwarzen und Asowschen Meer. Im Westen bekam Russland Teile Polens, der Ukraine und Weißrusslands.

Johann Georg Mayr. Blick auf Winterpalast. 1796

1796, nach dem Tod Katharinas II., trat ihr Sohn Paul im Alter von 42 Jahren die Thronfolge an. Er führte eine Reihe von strengen Reformen ein, die den Menschen noch mehr Freiheiten raubte. Gegenüber dem Westen entwickelte sich eine Art Verschlossenheit. Das Fenster nach Europa, dass Peter der Große einst aufgestoßen hatte,  wurde schmäler.

Paul I. wurde als geisteskranker Wüterich bezeichnet und wurde wegen seinen schlechten Charaktereigenschaften überall missachtet. Diesen Charakter erbte er wohl von seinem Vater, Peter dem III.

Ebenso wie sein Vater hatte Paul eine besessene Liebe zum Militär. Er schockte seine Truppen mit immer verrückteren Einfällen. Aus diesem Grund wurde er gefürchtet und gehasst.

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